wir

Unter diesem Bann der Sehnsucht nach dem Sozialen und gesteuert von den Perspektiven und Meinungen unseres unmittelbaren sozialen Umfelds ordnen sich unsere täglichen Routinen etwa so: erst die neuesten Berichte durchgehen, dann die Filtereinstellungen nachjustieren, weiter zum noch nicht Gelesenen, das eigene Leben mit neuen Ereignissen auffrischen, ausmisten und aktualisieren (aber nicht sofort), Links setzen, um sie später noch mal anzuschauen, den/die Ex auf stumm schalten, ein geheimes board aufsetzen, eine Umfrage erstellen, über das soziale Plugin einen Kommentar abgeben, ein Video auf das Profil hochladen, zwischen „Liebe“, „Haha“, „Wow“, „Traurig“ und „Wütend“ wählen, den Leuten nachgehen, die dich erwähnt haben, Änderungen im Beziehungsstatus der anderen überprüfen, einem Opinionleader folgen, Mitteilungen empfangen, eine Photostrecke zusammenstellen, die zu deinem Avatar verlinkt, ein Bild reposten, sich im verdoppelten Verlauf der Chronik verirren, verhindern, daß Freunde meine Updates sehen, eine Empfehlung austesten, Titelbilder anpassen, must-click-Überschriften erstellen, mit einem Freund oder einer Freundin chatten und nebenbei feststellen, da „1 026 595 Leute dieses Thema mögen“.

Quelle: Geert Lovinks in lettre, Plattformkapitalismus.

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Wolf Wondratschek. Trauerfeier

20. Februar 1970

  1. Lektüre

Wie eine Trauergemeinde ihren Toten beerdigt, dieser Vorgang ist beschreibbar. Wie der Pfarrer eine Bibelstelle zitiert und auslegt, wie die Orgel den Gesang begleitet, wie der Sarg zur offenen Grabstelle hinausgetragen und schweigend von der Gemeinde, die sich vor allem angemessen herumgruppiert um die rechteckige Öffnung des Grabes, gefolgt wird, das kann man nachlesen. Wie sich die Angehörigen von dem Toten verabschieden und die Freunde nacheinander den Angehörigen kondolieren und die Angehörigen den Freunden wiederum dafür danken etc.; man glaubt das wahrscheinlich sogar: wer so beerdigt wird, stirbt nicht.

Weiterlesen

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Wir schaffen das!

Wir zitieren mit der Überschrift einen Satz, der eine Vorgeschichte hat. Diese Vorgeschichte endete 1990 und wurde in dem Foto dokumentiert. Die abgebildete Aktivistin hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer aktiven Bundeskanzlerin.

DDR das schaffen wir. Foto Norbert Saßmannshausen

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Was er sei

„Was er sei, bleibt unklar neben der einzigen Gewißheit, daß er nicht gelang.“ Bärbel Bimschas 1991.

Neu zu lesen in „Katastrophische Weiblichkeit“.

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Deutscher geht’s nicht

9.-Mai-1945„Nie waren die Deutschen deutscher als am 9. Mai ´45“ – Joachim Bruhn.

Toilettentür des Studierendenhauses in Frankfurt am Main, Oktober 2014. Foto (c): N. Saßmannshausen

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Klappentext (1)

… erzählt bewegend und mit immenser Kraft von Nähe und Ferne, von Fremde, von alten und neuen Grenzen, von dem Strom, der unsere Zeit ist.

Für welches Buch wurde dieser Klappentext geschrieben?
Aus welchem Jahr, Jahrzehnt, Jahrhundert stammt er? Ist der Text „gut, wahr und schön“?

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„Zurück“

Sehr schön diese „frühe“ (1969) Verwendung der Anführungszeichen im damaligen Osten.

„Zurück“
Sendung wird wegen Nichteinhaltung der Geschenkverordnung vom 5.8.1954 zurückgewiesen.


zurück_web1
Ein Päckchen kam zurück. Es entsprach nicht der Geschenkverordnung. Zurück? Nein „Zurück“ – es wurde ja aus der „DDR“ zurückgeschickt. Offensichtlich hat der Zoll diese Anführungszeichen des Westens bereits verinnerlicht.
Der Inhalt, den der DDR-Zoll (oder die Organe) zurückwies: Sitara und der Weg dorthin (Untertitel: Eine Studie über Wesen, Werk & Wirkung Karl Mays) von Arno Schmidt & Spiel nicht mit den Schmuddelkindern von Franz Josef Degenhardt.

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Wenigstens

Kämpfe in der Ostukraine. Schwere Verluste für die Regierungstruppen

In der Ostukraine gehen die Kämpfe mit unverminderter Heftigkeit weiter. In der Nähe von Luhansk wurden wenigstens 19 ukrainische Soldaten getötet, als Separatisten ihre Einheit mit Raketenwerfern beschossen. Präsident Poroschenko kündigt Vergeltung an.

Quelle: faz.net 11. Juli 2014 (20.41). Früher dachte ich wenigstens Deutsch kann die FAZ einigermaßen, vergleichsweise, oder so …

„Wenigstens“ ist – ach.

„Alle diese Kommentare sind immerhin noch nicht persönlich, denn dann tut es richtig weh. Jeder Fehler wird mit dem Gestus der Herablassung aufgezeigt, nebenbei ein Autor beleidigt, und das Ganze gipfelt meist in der Feststellung, dann könne man ja auch gleich die „Bild“-Zeitung lesen. Themen, die ein wenig zu bunt sind: „Bild“-Zeitung. Themen, die nicht interessieren: „Bild“-Zeitung. Falsch gesetzte Kommas: „Bild“-Zeitung. Bisher ist mir noch kein Leser bekannt, der seine Drohung wahrgemacht hätte. Die Kommas korrigieren wir natürlich trotzdem immer.“ Schreibt Frau Andrea Diener in faz.net am 11. Juli 2014. Ich darf mich nun bei Frau Diener entschuldigen.  Wenigstens. Meinen Satz oben streiche ich „natürlich“.

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